Der berühmte Trüffelhund
Warum Rassenfragen oft vom Wesentlichen ablenken
03.02.2026
Woher der Lagotto-Mythos stammt
Der Lagotto Romagnolo hat eine belegte Geschichte als Trüffelhund in bestimmten Regionen Italiens. Dort wurde er über Generationen hinweg gezielt für die Trüffelsuche eingesetzt. Diese historische Nutzung wird heute häufig als Beweis für eine besondere, fast exklusive Eignung interpretiert.
Mit zunehmender Nachfrage nach Trüffelhunden hat sich daraus ein stark vereinfachtes Bild entwickelt: Wer Trüffel suchen möchte, braucht einen Lagotto.
Diese Vorstellung ist attraktiv, weil sie komplexe Zusammenhänge auf eine scheinbar klare Entscheidung reduziert. Fachlich trägt sie jedoch nur bedingt.
Trüffelsuche ist keine Frage der Rasse
Die Fähigkeit, Trüffel zu finden, beruht nicht auf einer rassespezifischen Eigenschaft.
Hunde suchen Trüffel, weil sie über einen hochentwickelten Geruchssinn verfügen – nicht, weil sie einer bestimmten Rasse angehören.
Entscheidend für erfolgreiche Trüffelsuche sind andere Faktoren:
- Motivation und Arbeitsfreude
- Konzentrationsfähigkeit
- saubere Anzeige
- ruhiges, kontrolliertes Arbeiten
- die Zusammenarbeit zwischen Hund und Mensch
Diese Eigenschaften finden sich bei vielen Hunden – unabhängig von ihrer Rasse.

Wenn Erwartungen wichtiger werden als Eignung
Der Fokus auf eine bestimmte Rasse birgt Risiken.
Hunde werden mit Erwartungen überfrachtet, die weder ihrem individuellen Charakter noch ihrer Ausbildung gerecht werden. Gleichzeitig geraten andere geeignete Hunde aus dem Blick – sei es aus dem Tierschutz, aus dem eigenen Bestand oder aus weniger „gehypten“ Linien.
Trüffelsuche verlangt kein spektakuläres Auftreten. Sie verlangt Zuverlässigkeit, Ruhe und Respekt vor dem Lebensraum. Eigenschaften, die sich nicht an einem Rassestandard festmachen lassen.
Ausbildung ist mehr als Geruchstraining
Ein weiterer Mythos rund um Trüffelhunde ist die Vorstellung, dass ein Hund nach kurzer Zeit „funktioniert“.
In der Praxis ist Trüffelsuche ein Zusammenspiel aus Ausbildung, Erfahrung und kontinuierlicher Begleitung.
Zur Ausbildung gehören:
- der strukturierte Aufbau von Motivation
- eine klare, bodenschonende Anzeige
- Impulskontrolle
- das Lesen von Hund und Situation
Ein Hund, der Trüffel sucht, arbeitet nicht isoliert. Er arbeitet im Kontext von Boden, Standort, Trüffelvorkommen und Mensch.
Verantwortung gegenüber Hund und Trüffel
Trüffelsuche ist kein Sport und kein Wettbewerb.
Sie greift in sensible ökologische Systeme ein und verlangt einen verantwortungsvollen Umgang – sowohl mit dem Hund als auch mit dem Trüffelstandort.
Ein gut ausgebildeter Trüffelhund zeichnet sich nicht durch Geschwindigkeit oder spektakuläre Funde aus, sondern durch:
- kontrolliertes Arbeiten
- Schonung des Bodens
- Verlässlichkeit
Der Hund ist dabei kein Werkzeug, sondern Partner.
Einordnung statt Vereinfachung
Der Lagotto Romagnolo ist zweifellos ein geeigneter Trüffelhund.
Er ist jedoch nicht der einzige, und er ist keine Garantie für erfolgreiche Trüffelsuche.
Wer Trüffelhunde auf ihre Rasse reduziert, verkennt den eigentlichen Kern der Arbeit.
Trüffelsuche beginnt nicht beim Hund – sie beginnt beim Verständnis des Systems, in dem Hund, Mensch, Boden und Trüffel zusammenwirken.
Beiträge entstehen unregelmäßig – dann, wenn es etwas zu sagen gibt.


